Eine Personalchefin in München schreibt eine leitende IT-Position aus. Sechs Monate später ist diese immer noch nicht besetzt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit herrscht derzeit in rund jedem achten Ausbildungsberuf ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Dies entspricht rund 439.000 unbesetzten Fachkräftestellen. Hinzu kommt, dass nur etwa 25 % der arbeitslosen Fachkräfte eine Stelle in Berufen mit derartigen Engpässen suchen, was bedeutet, dass drei Viertel der verfügbaren Arbeitskräfte nicht in die Bereiche strömen, in denen Bedarf besteht.
Dies ist eine erhebliche Personalbeschaffungskrise, und die Arbeitgeber müssen nach Mitteln und Wegen suchen, um den Nachschub an geeigneten Mitarbeitern sicherzustellen. Das eigentliche Problem, das diesen Einstellungsschwierigkeiten zugrunde liegt, ist jedoch das Ausmaß bestehender wie auch sich abzeichnender Qualifikationslücken. Wodurch werden diese verursacht, und wie können Arbeitgeber ihnen so entgegenwirken, dass sie sich nicht auf reine Symptombehandlung beschränken, sondern die Grundursachen angehen?
Wo der Mangel am stärksten zuschlägt
Der Fachkräftemangel in Deutschland betrifft alle wesentlichen Wirtschaftszweige, doch einige spüren ihn intensiver als andere. IT-Spezialisten sind die am stärksten betroffene Berufsgruppe. Eine Studie des Branchenverbands Bitkom hat ergeben, dass 85 % der Unternehmen über einen Mangel an IT-Fachkräften klagen.
Das KfW-ifo-Fachkräftebarometer zeigt ähnliche Entwicklungen in den Bereichen Dienstleistungen und Beratung (71 % der Anwaltskanzleien, Steuerberatungsfirmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften), Transport und Logistik (über 50 %), Handel (bis zu 30 %) und Fertigung (25 %). Unter besonderem Druck steht das Gesundheitswesen: Ein Fünftel der Beschäftigten werden voraussichtlich in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Da der Bedarf an digitalen Fertigkeiten weiter zunimmt, dürften sich diese Zahlen noch erhöhen.

Was verursacht den Fachkräftemangel?
Wie bei jedem Problem im Bereich der Personalbeschaffung auf nationaler Ebene ist auch der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in Deutschland ein komplexes Thema und nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Dabei fallen drei Aspekte besonders ins Auge.
1. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung verändern die Qualifikationsanforderungen
McKinsey prognostiziert, dass die KI-Automatisierung bis 2030 bis zu 3 Mio. Arbeitsplatzwechsel erforderlich machen könnte, wobei administrative Bürotätigkeiten am stärksten betroffen sein werden (54 %). McKinsey-Partnerin Sandra Durth formuliert es so: „Ohne eine Qualifizierungsoffensive bei den Arbeitskräften kann die KI ihr Potenzial nicht entfalten.“ Durch eine umfassende Umschulung der Mitarbeitenden parallel zur KI-Implementierung versetzen Sie Ihr Unternehmen in die Lage, das Potenzial seiner Mitarbeiter und der neuen Technologien optimal zu nutzen.
2. Die alternde Gesellschaft in Deutschland verschärft den Fachkräftemangel
Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass 7,8 Millionen der insgesamt 34,2 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland (also 23 %) zwischen 55 und 65 Jahre alt sind. Diese erfahrenen Beschäftigten verfügen über fundiertes Fachwissen, dessen Aufbau Jahre in Anspruch genommen hat. Untersuchungen von D21 bestätigen eine digitale Kompetenzlücke bei älteren Altersgruppen.
Nadja Bergmann, Leiterin von L&R Sozialforschung in Wien, erklärt: „Aufgrund der demografischen Entwicklung ist eine bessere Integration älterer Arbeitnehmer sowohl wirtschaftlich als auch sozial unverzichtbar. Dabei geht es insbesondere darum, einem Fachkräftemangel vorzubeugen und den Abfluss des breiten Wissens älterer Arbeitnehmer zu verhindern, die analoge und digitale Arbeitsweisen sogar noch besser miteinander verbinden können als jüngere Beschäftigte.“
3. Die geringe digitale Kompetenz in der Bevölkerung schränkt den Talentpool weiter ein
Der Digitalindex von D21 zeigt, dass nur 49 % der deutschen Bevölkerung über „grundlegende digitale Kompetenzen“ verfügen; dieser Wert liegt deutlich unter dem EU-Ziel von 80 %. Dabei beschränkt sich der Mangel nicht nur auf spezialisierte Positionen, sondern betrifft den gesamten Kreis potenzieller Fachkräfte, aus dem die Arbeitgeber schöpfen.
Wie Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen können
Alle drei Ursachen deuten in dieselbe Richtung: Die in Ihrem Unternehmen benötigten Kompetenzen lassen sich nicht durch Neueinstellungen gewinnen. Vielmehr müssen Sie sie aufbauen. Die Überwindung des Fachkräftemangels auf nationaler Ebene ist nicht einfach, aber machbar. Nachfolgend beschreiben wir einige Möglichkeiten, den aktuellen Arbeitskräftemangel zu beheben und gleichzeitig Resilienz gegenüber künftigen Engpässen zu entwickeln.
Vorhandene Belegschaft fortbilden und umschulen
Der schnellste Weg, den Fachkräftemangel zu beheben, ist die Fortbildung Ihrer vorhandenen Mitarbeitenden. Mitarbeiterschulungen, die Zukunftskompetenzen intern aufbauen, machen Ihr aktuelles Team zur stärksten Talentschmiede. Mit einer Lernplattform, die direkt in Microsoft 365 integriert ist, werden Weiterbildungsmaßnahmen zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags, statt die Arbeit zu stören. Mit der passenden Lernmanagementsoftware kann Ihr Personalentwicklungsteam Fortschritte anhand konkreter Geschäftsziele verfolgen und Lernpfade frühzeitig anpassen, bevor Kompetenzlücken kritisch werden.
Zudem senden Investitionen in Weiterbildung ein klares Signal an Ihre Mitarbeitenden. Im KI-Zeitalter wissen die Beschäftigten durchaus, wie wichtig digitale Kompetenzen sind. Wenn Sie Ihnen Zugang zu den erforderlichen Schulungen bieten, stärken Sie ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen. Sie schließen Qualifikationslücken und können die entsprechenden Mitarbeitenden langfristig halten. Außerdem können Sie durch verstärkte Weiterbildung im Bereich der Digitalkompetenzen eine Pipeline entsprechend versierter Fachkräfte aufbauen, die direkt mit Ihrem Unternehmen verbunden sind.
Ältere Mitarbeiter halten und weiterqualifizieren, institutionelles Wissen bewahren
Da annähernd ein Viertel der deutschen Erwerbsbevölkerung zwischen 55 und 65 Jahre alt ist, gehören erfahrene Mitarbeiter zu den wertvollsten personellen Ressourcen, die ein Unternehmen schützen kann. Sie verfügen über jahrzehntelange Erfahrung, die nicht durch externe Mitarbeitende ersetzt werden kann. Wenn dieses Fachwissen einmal verloren geht, kommt es nicht mehr zurück.
Die Umschulung Ihrer Beschäftigten für eine digital geprägte Arbeitswelt schützt das institutionelle Wissen und verringert Ihr Risiko, vom Fachkräftemangel betroffen zu sein. Zudem ermöglicht das Reverse Mentoring wechselseitigen Austausch: Erfahrene Mitarbeitende teilen ihr Fachwissen, während jüngere Kolleginnen und Kollegen ihre digitalen Kompetenzen weitergeben. Bleiben erfahrene Fachkräfte dem Unternehmen erhalten und entwickeln sich weiter, dann bewahrt das Unternehmen seine Substanz und schließt Qualifikationslücken aus den eigenen Reihen.
Digitale Kompetenzen durch praxisnahes Lernen festigen
Formale Schulungen bilden das Fundament, doch erst durch das Lernen am Arbeitsplatz werden neue Qualifikationen zur Selbstverständlichkeit. Durch Mentoring, Job-Shadowing, Peer-Coaching und angemessene Herausforderungen sammeln Ihre Beschäftigten praktische Erfahrung mit digitalen Kompetenzen, wodurch Qualifikationslücken schneller geschlossen werden.
Unternehmen können nicht abwarten, bis das Bildungssystem Defizite ausgleicht. Durch Einbindung von Schulungen für digitale Kompetenzen und KI-Qualifikationen in den Arbeitsalltag können Sie unmittelbar reagieren. Indem Sie diese Ansätze mit einer Lernplattform kombinieren, die den Fortschritt Ihrer Mitarbeitenden im Blick hat, machen Sie aus alltäglichen Aufgaben langfristige Weiterbildungsmöglichkeiten.
So nutzen Sie KI, um wichtige Kompetenzlücken zu schließen
Mit einer geeigneten Lernplattform können Ihre L&D-Teams Kursinhalte direkt aus bestehenden Dokumenten und Präsentationen generieren und so die Erstellung einschlägiger Mitarbeiterschulungen beschleunigen. Dabei müssen Sie nicht alles von Grund auf neu erstellen, sondern können auf vorhandene Materialien Ihrer Sachverständigen zurückgreifen, die als Grundlage für strukturierte Kurse dienen, die Ihre Belegschaft direkt nutzen kann. So können Sie schneller auf sich abzeichnende Qualifikationslücken reagieren und den Druck auf die ohnehin schon überlasteten L&D-Teams reduzieren.
Auf Basis von Predictive Insights gleicht die KI die Kompetenzen, die Ihr Unternehmen benötigt, mit den bereits in Ihrer Belegschaft vorhandenen Qualifikationen ab, sodass Sie genau erkennen können, wo noch Lücken bestehen. Anschließend können Sie Mitarbeitenden basierend auf ihrer Rolle und ihren Entwicklungszielen maßgeschneiderte Lernpfade zuweisen. Dabei folgen alle Lernenden einem jeweils individuellen Lernweg, denn schließlich sind keine zwei Kompetenzlücken identisch.
Wenn Lernende einmal nicht weiterkommen, bieten KI-Tutoren ihnen während des Kurses interaktive Unterstützung und machen aus passivem Inhaltskonsum einen aktiven Kompetenzaufbau.
Auch Führungskräfte profitieren, denn KI-gestütztes Managercoaching liefert Kontext und Anregungen zur Vorbereitung von Entwicklungsgesprächen. Dies ermöglicht einen Austausch auf Basis konkreter Fortschrittsdaten statt auf der Grundlage von Vermutungen.
Ständiges Lernen, integriert in die Tools, die Ihre Belegschaft ohnehin bereits nutzt, ist die wirksamste Antwort auf den Fachkräftemangel.
Aus dem vorhandenen Bestand schöpfen, um eine passgenaue Personalbesetzung zu erzielen
Der Fachkräftemangel in Deutschland lässt sich nicht allein durch Neueinstellungen beheben: Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden fortbilden und erfahrene Fachkräfte binden, bauen stärkere Nachwuchsreserven auf. Die Integration der Weiterbildung in den Arbeitsalltag macht dies nachhaltig. Alle hier vorgestellten Strategien beruhen darauf, dass die Entwicklung stetig und mit den tatsächlichen Geschäftszielen verknüpft erfolgt.
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